Wer sind Sie? Was machen Sie hier!

Faraz Baghaei

Kassel / Hessen
Spiel: Ruzbeh Mirmoayadi und Mohammad Salamat
für Jugendliche ab 12 Jahren

Anfang September wurden im Untergrund des Rathauses einige Ausländer entdeckt. Mehrere junge Männer scheinen sich dort gemütlich eingerichtet zu haben. Zeitweilig sind ungewohnte Gesänge und Musik zu hören, es soll sogar zu unchristlichen Handlungen gekommen sein. Die örtlichen Behörden fühlen sich mit der Situation überfordert.
Alle reden von Integration. Wann aber darf man sich heimisch fühlen, wenn man nicht so aussieht, als käme man von hier?
Vielleicht, wenn man in der Fußgängerzone vor der Drogerie steht, im Rathaus auf einen Empfang geladen ist, den Weg zum Proberaum sucht und man einmal nicht mehr angeheischt wird: “Wer sind Sie? Was machen Sie hier!” Oder man am Bahnhof ankommt und plötzlich kein ehren- amtlicher Helfer auf einen zustürmt, um einem die Wegbeschreibungen zu der Landeserstaufnahmestelle in die Hand zu drücken. Auf arabisch. Oder an ein deutsches Stadttheater geladen wird, um ein Theaterprojekt zu entwickeln. Ein Theaterprojekt, in dem es nicht um Migration geht, sondern Goethe oder so.
Gemeinsam mit Ruzbeh Mirmoayadi und Mohammad Salamat befragt Faraz Baghaei die eigene Biographie, Geschichte, Werte, Glauben und persönliche Rituale. Alle drei stammen aus dem Iran und sind in Deutschland aufgewachsen. Gemeinsam haben sie nur, dass sie besser deutsch als persisch sprechen. Und dass sie von den anderen für Türken gehalten werden. Irgendwas Orientalisches halt.

Aus der Kaleidoskop-Jurybewertung:
„Das Mischungsverhältnis von geradezu slapstickhafter Parodie, Klischees, privaten Geständ- nissen, familiären Einblicken, Perspektivverschiebungen und tiefgreifender Ernsthaftigkeit ver- schafft den Zuschauenden einen wertvollen Erkenntnisgewinn. Zusätzlich löst auch die Spiel- situation die gewohnte Trennung von Bühne und Zuschauerraum auf. (…) “Wer sind Sie? Was machen Sie hier!” fragt – selbstredend – nicht nach Formen der Zugehörigkeit (zu einer vermeintlichen Mainstream-Gesellschaft). Nein, nach einigen persönlichen und familiären Anekdoten löst sich das Stück in einem unterhaltsamen Wettkampf von Identifikationen mit überzeichneten deutschen Verhaltensweisen auf. Die Theaterperformance besticht mit ihrer Leichtigkeit, öffnet Herzen und Horizonte und schafft einen Raum des sozialen Miteinanders.“

Fotos: Faraz Baghaei